Geschichten der Gjaid Alm

Gjaid Alm 

[Oberösterreich, Dachsteingebirge] (altmundartlich bedeutet Gjaid "Jagd der Geister")

Viele Mythen und Sagen ranken sich um die "Gjoad" Die wilder Jagd der Geister auf der Alm

Die Gjaidalm wurde bis 1935 von der Ramsau aus bewirtschaftet. Die Tiere, hauptsächlich Schafe, wurden aus der Steiermark aufgetrieben, Sie umfaßt eine Fläche von 4188 Ha, die vermutlich größte Alm der Alpen. Die anrechenbare Futterfläche beträgt etwa 29Ha.

Die zwölf Rauhnächte

 

Zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag, in den geheimnisvollen zwölf Rauhnächten, braust die wilde Jagd alljährlich über die schneeverhüllten Berge, Wälder und Ortschaften des Salzkammergutes.

 

Aus den Gebirgen des Ennstales kommen die unholden Geister auf Rossen und Böcken unter Geheul und Sturmessausen geritten. Am Dachstein macht die tolle Schar Halt. Da werden die verwünschten Sennerinnen aus ihren eisgrünen Kammern geholt und es geht zum schaurigen Tanz auf den Gosaugletscher und die Gjaidalm. Dann aber werfen sich der Anführer und die Windsbraut mit dem brandroten Haar und all die unseligen Jagdgesellen auf ihre Reittiere und lärmen auf ihren nächtliche Zügen über Goisern, die Ruine Wildenstein und Ischl nach Ebensee, um am Traunstein im anbrechenden Morgen die Jagd zu beschließen.

 

In alten Tagen hatte besonders Ischl zur Zeit der Rauhnächte vieles zu leiden. Deshalb wurden am rechten Traunufer die Heiligkreuzkapelle und im Herzen der Stadt die Lindenkapelle errichtet, um den höllischen Geistern den Weg zu versperren. Seitdem hat Ischl Ruhe von der gefürchteten Schar und hört sie nur ab und zu von ferne vorbeistürmen. Am besten ist es wohl, in diesen Tagen zu Hause zu bleiben. Denn kommt ein Mensch dem wilden Gjaid in die Quere, der muß unbedingt mit!

 

So erging es auch einmal einem Spielmann aus Goisern, der zu Silvester einer fröhlichen Runde zum Tanz gegeigt hatte. Als er in später Nachtstunde heimzu eilte, kam der heidnische Schwärm daher und schleppte den Armen durch die eiskalten Lüfte mit sich fort bis zum Traunstein, setzte ihn am tiefverschneiten Gipfel hin und stob mit gräßlichem Gelächter nach allen Windrichtungen auseinander. Als der Geiger am Neujahrstag unter Mühe und Gefahr endlich den Abstieg bezwungen und Gmunden erreicht hatte, war sein Haar schneeweiß geworden. Er mochte nichts Näheres über sein nächtliches Erlebnis aussagen; sicher ist nur, daß man ihn sein ganzes Leben nie mehr lachen sah! ähnliches widerfuhr vorzeiten aber auch gar manchen Fleischhauern, Traunreitern und Bergknappen, die jahrüber das Schelten und Fluchen nicht lassen konnten. In den Rauhnächten wurde ihnen von der wilden Jagd der verdiente Lohn zuteil!

 

Das Anbrechen eines neuen Morgens scheut die gespenstische Schar; deshalb horcht die Windsbraut ängstlich auf den ersten Hahnenschrei, der im Tal unten laut wird, und ruft dem Anführer warnend zu, daß ein weißer Hahn krähe. Der aber entgegnet: "Weißer Hahn? Geht mich nichts an!" und stürmt weiter durch die weichende Nacht. Und meldet sie einen roten Hahn, so wird ihr die Antwort: "Roter Hahn? Toter Hahn!" gegeben. Kündet sie jedoch entsetzt, daß sie das Krähen eines schwarzen Hahnes vernimmt, dann schreit der wilde Jäger furchtbar auf: "Schwarzer Hahn? Jetzt muß ich dran!"

 

Und kopfüber stürzt er sich samt seinem heulenden Gefolge in das nächstgelegene Wildwasser oder in den dunklen Traunsee. Golden steigt die Sonne empor - und der Geisterspuk ist beendet!

 

Quelle: Sagenschatz aus dem Salzkammergut, Iolanthe Hasslwander, Steyr 1981

 

S`Wilde Gjoad und die Brentler

 

Einst gingen mehrere Burschen von St. lrban "brentln". Als sie gerade in die Nähe des "Bugglwaldes" gekommen waren, hörten sie schon ganz in ihrer Nähe das "Wilde Gjoad". Schrecken und Bestürzung erfasste die Unvorsichtigen, denn sie wussten, was ihrer harrte, wenn sie das "Wilde Gjoad" erfasste. Sie hatten gehört, dass man sich öfter durch etwas Absonderliches retten könne. Rasch legten sie sich auf dem Wege nieder, und zwar so, dass sie ein Rad bildeten. So lagen sie da, die Köpfe alle zusammengesteckt, während sie die Füße weit ausstreckten. Aber das gefürchtete "Gjoad" war auch schon da und nun rief der Wilde Mann: "Bin schon so alt, dass der Buggelwald neinmal Wiesn und neinmal Wald, aber so a schiachs Viech hon i mei Löbtag nit gseachn." Darauf verschwand das "Wilde Gjoad" wie es gekommen.

 

Ein andermal verspätete sich ein Mann und er ging erst nach "Betleit'n" nach Hause. Bald hörte er, wie das Wilde Gjoad heranbrauste. Er hatte gehört daß das Wilde Gjoad machtlos sei, wenn man rasch in die reckte Wagnloast (Wagenspur) liege. Rasch führte er den Gedanken aus und erwartete mit Bangen das Nahen der nächtlichen Spukgestalten. Gleich war es da und er hörte, wie eine Stimme rief: "Wartets, i sig durtn a Stöckle, an das muaß i mei Hackle einehaun." Schon spürte er einen "Brenner" (stichartiger Schmerz) im Knie und mit Schrecken gewahrte er, daß im Knie eine sonderbare Hacke steckte.

 

Alle Versuche, sie herauszubekommen, waren vergeblich. Aber er fühlte weder einen Schmerz noch irgend etwas anderes. Nur hinderte es ihn beim Gehen und er fragte deshalb den Pfarrer, was er tun sollte. Dieser riet ihm, das nächste Jahr um dieselbe Stunde wieder am gleichen Platze hinzuliegen. Mit schwerem Herzen befolgte er den weisen Rat, denn er glaubte, daß das Wilde Gjoad ihm noch ärgeres antun könne. Schon lag er eine Weile am Wege, als es wieder daherkam. Und dieselbe Stimme forderte die andern auf, innezuhalten, da sie die Hacke, die sie voriges Jahr in den Stock gehauen habe, wieder mitnehmen wolle. Gleich darauf fühlte der glückliche Bauer, daß er von dem unbequemen Anhängsel erlöst war. Als er daheim nachsah, bemerkte er, daß die Hacke keine Narbe hinterlassen hatte.

 

Quelle: Georg Graber, Sagen aus Kärnten, Graz 1941.

Für SAGEN.at korrekturgelesen von Harald Hartmann, Februar 2006

 

Das wilde Gjaid Jagd

Dem nächtlichen Wanderer schreckt zuweilen das "wilde Gjaid". Plötzlich erhebt sich an irgend einem Punkt ein Jammern und gespenstisches Wehklagen, zieht in der Luft dahin und verschwindet in der Ferne. Wem es auf der Strasse begegnet, der wird von ihm in der Mitte glatt abgeschnitten. Oft wurden Burschen, die am Freitage jauchzten in kleine Fetzen zerrissen. Wer aber zwischen den Geleisen der Strasse bleibt, oder auch, wer ein Hufeisen sammt den Nägeln mit sich trägt dem kann es nichts anhaben. - Die Holzknechte hacken jedesmal, so oft sie einen Baum umgesägt haben, 3 Kreuze +++ in den Strunk; dort dürfen die armen Seelen ausruhen. Floih, Waukerl, floih! Fliehe, Kindlein, fliehe!

 

Quelle nicht bekannt

 

Ohne Titel

Ein Bauernbursche gieng einst wohlgelaunt bei Nacht über das Hoheneck, berüchtigt durch das wilde Gjaid, nach Hause. Er fürchtete nichts. Plötzlich erhebt sich vor ihm ein Stöhnen, Winseln und Jammern, dass es schaurig anzuhören war; es war das wilde Gjaid. Voran zog die Perhnmutter (Perthamutter, die Gattin Wodans des heidnisch-deutschen Götterkönigs), und hinter ihr winselte ein langer, langer Zug ungetaufter Kinder. Als diese vorübergezogen waren, kam noch ein vereinzelntes Kind winselnd daher. Es hatte ein zu langes Hemdchen an und trat sich fortwährend darauf, so dass es zurückbleiben musste. "Floih, Waukerl, floih, magst iehn nit g'folg'n" rief ihm der übermütige Bursche zu. Darüber jubelte das Kind und sagte: "Vergelt's Gott, jetzt habe ich doch auch einen Namen, "Waukerl", jetzt bin ich erlöst und darf nicht mehr mitgehen.

 

Quelle: Hinterstoder mit dem Stoderthale, Kleine Orientierungs - Darreichung von A. N. Gerhofer, Selbstverlag, Linz, Druck von S. Tagwerkers Witwe, [um 1891]

Zusendung von Norbert Steinwendner, am 5. Juni 2008

 

Vom wilden Gjaid

Auch in der Gegend des Kobernaußers kennen die Leute die Sage vom wilden Jäger.

 

Große Rudel wilder Wölfe, schwarzer Hunde und Katzen, Schwärme von Raben und Eulen brausten mit ohrenbetäubendem Getöse in Sturmnächten, besonders aber in den Rauhnächten, über das Land, gehetzt und gepeitscht vom wilden Jäger, dem Teufel, der auf feuerschnaubendem kappen mit gellenden Schreien dahinjagte. Begegnete ein Wanderer dieser wilden Jagd, mußte er sich bei ihrem Herannahen flach auf den Boden werfen und Arme und Beine kreuzweise übereinander legen. Dann ritt der wilde Jäger, ohne ihm Schaden zu tun, über ihn hinweg und rief dabei "Scherhäufl, Scherhäufl" (Maulwurfshügel). Oft erzählte man auch, daß man auf Höfen, die ganz schwarze Hunde hatten, sehen konnte, wie diese armen Geschöpfe nach solchen Sturmnächten schweißnaß und todmüde vor ihren Hütten lagen und jede Futteraufnahme verweigerten. Eine ähnliche Version erzählt von einem Mann, der in später Mitternachtsstunde nach Hause ging. Plötzlich hörte er das wilde Gjaid aus dem Waldtal herauskommen. Blitzschnell warf er sich mit gekreuzten Armen auf das Angesicht nieder, doch er konnte es sich nicht verkneifen, öfters nach dem "Gjaid" auszuschauen. Da sah er, wie ein riesiger Reiter auf einem mächtigen Schimmel über ihn hinwegsetzte, gefolgt von einer Meute ebenfalls berittener, schreckeneinflößender Gestalten. Die Holzknechte ritzten früher zum Schutz gegen das "Wilde Gjaid" drei Kreuze in den stehengebliebenen Stock eines gefällten Baumes. Wer sich auf einen solch bezeichneten Baumstock beim Herannahen der wilden Jagd setzen konnte, war seines Lebens sicher.

 

Wie das wilde Gjoad anfangt und thutet

Das wilde Gjoad fangt kloa an und wird immer an größers Gschroa. Des Kurzmann Hansel sein Vater hats amal gsechn. Vom Kapellgrabn zu Oberraknitz ists außikemm und Brunngrabersulz eini. Da hat er zum erschten an kloan schwarzen Hund gsechen lafn, an eahm vorbei und hatn ghört kläffn,- hat sie denkt: er jagt eppa an Hasen,- aber wie weiter er gegen Brunngrabersulz ist zu einikemm, wia größer und wilder wor des Gschroa und das Ghoalwerch worden,- ist weiter dann furtzogn 's wildi Gjoad. Den Menschen, der im Weg ist, reißts um, drum sull er glei niederliegn und dann gehts drüber. Wos über an Haus geht, zreißts das Dach ganz.

 

A der Brunngraber hats wildi Gjoad ghört beim Holzwirth in Baldauberg, es hat angfangt, wie wenn a Schwein dem Wald zu schreiet und wie weiter wie größer und wilder wars Gschroa. Der Hofstattschneider Hanns zu St. Jürgen stand oanst grad inter der Hütten, als des wildi Gjoad überging. Bei der alten Bergkalvarie-Kapellen macht es an Schuß und nachher ging das Gschroa und Jammerwerch und allerhand Lärrn schon an, als wann alli Frosch und Viecher los waren und so nieder is her, daß der Dachfirst kracht hat.

 

Aft ist Hofanger zua außi und hat sie verloren.

 

Quelle: Anton Meixner, Sagensammlung.

In: Annemarie Reiter (HG.), Grazer Sagen und Geschichten, Graz 1996, S. 158.

Telefonnummer: 0043 6131 596 

Email: service@gjaid.at

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Die Gjaid Alm am Dachstein ist eine private alpine Schutzhütte am Fuße des Dachsteins in Obertraun/Hallstatt im Salzkammergut. Die im Skigebiet Krippenstein auf 1738 Metern gelegene Berghütte wurde in den letzten Jahren renoviert und ist für Familien, Skifahrer, Ruhe suchende oder Bergsteiger zu einem wunderschönen Fleck Erde geworden. Du kannst auf der Alm deinen Geburtstag feiern, wir richten deine Hochzeit aus oder du organisierst hier dein Firmenevent. Natürlich haben wir auch tolle Angebote für Schulklassen oder Jugendgruppen, Yoga Wochen am Berg und vieles mehr, da bis zu 100 Personen auf der Hütte schlafen können. Außerdem bieten wir auch Erlebnis- Kinderbetreuung auf der Alm an.